Mit großem Willen hält der SVA die Serie am Leben – 2:2 in Ramlingen

Ein zentrales Thema in der Philosophie ist der Unterschied zwischen Wollen und Können. Wollen beschreibt hierbei die innere Motivation, Können beschreibt die tatsächliche Fähigkeit oder die Möglichkeit der Realisierung. Arthur Schopenhauer hat mal gesagt, dass der Mensch tun kann, was er will. Aber kann nicht wollen, was er will. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Dienstagabend, Regenwetter, März. Der SV Arminia spielt auswärts auf dem B-Platz in Ramlingen gegen den heimischen Sportverein. Dorthin fahren können Viele und zwar zumeist recht simpel, aber man muss es auch wollen. Das wollten an diesem Abend knapp 50 Arminia-Fans und zeigten ihre innere Motivation der Unterstützung. Die Truppe in blau wollte auch. Im Verlaufe der folgenden 90 Minuten plus Nachspielzeit zeigte sie auf, dass sie auch konnte. Und wie! 

Finn Schönberner hält die Kiste in der ersten Halbzeit sauber

Zunächst beorderte Coach Henrik Larsen seine Stammformation auf den Platz. Lediglich der agile Frank „the Tank“ Emeka Munu ersetzte Björn Masur im Sturmzentrum und Finn Schönberner gab sein Landesligadebüt zwischen den Pfosten für den kurzfristig erkrankten Dominik Grimpe. Starker Regen hatte das Geläuf ordentlich durchnässt, aber kurz nach Anpfiff sollte der Niederschlag aufhören und der Tabellenzweite nach einem letzten, nassen Grashalm Richtung Oberligaaufstieg suchen. Das ist in der Philosophie der Unterschied zwischen Wunsch und Wille. Der Wunsch kann hierbei durchaus unrealistisch sein, hier etwa der Versuch des Oberligaaufstiegs und der Wille die tatsächliche Herbeiführung der Realität. Die Aufrechterhaltung einer Serie von 14 Spielen ohne Niederlage durch das Bestreiten eines fünfzehnten Spiels ohne Niederlage. Diesen Willen legte der SVA an den Tag und kam nach knapp zwei Minuten zu seiner ersten Torchance. Dag Rüdiger zog nach Einwurf von Anton Zholud ab, der Ball blieb im Handgemenge des Ramlinger Strafraums hängen, ein Pfiff blieb aus. Die erste gute Tat lieferter Finn Schönberner nach knapp 15 Minuten, als er beherzt eingriff und mit großem Willen eine Torchance vereitelte. Der SVA spielte ordentlich mit, eroberte Bälle und versuchte sich im schnellen Umschaltspiel. Eine reine Defensivschlacht wurde hier keinesfalls geboten. Ab Minute 25 musste der SVA auf Justin Grete verzichten, der nach einem Zweikampf mit einer schweren Schulterverletzung ausgewechselt werden musste. Gute Besserung an dieser Stelle! Nach knapp 30 Minuten zeigte erneut Finn Schönberner seine Kompromisslosigkeit und klärte eine Rückgabe. Richtig gefährlich wurde es nur einmal, nach 35 Minuten rauschte ein Ball quer durch den Arminenstrafraum, fand aber keinen Abnehmer. Immanuel Kant, Königsberger Urgestein, betonte die gute Absicht des Willens, auch wenn dieser aufgrund mangelnden Könnens nicht zur Ausführung kommt. Ob er damit die letzten Bemühungen des SV Ramlingen-Ehlershausen in Halbzeit eins gemeint hat? Zunächst wurde ein Torabschluss derart neben das Tor gesetzt, dass fast ein Einwurf entstand. Highlight war sicherlich ein Freistoß aus zentraler Position kurz vorm Pausentee, den der Ramlinger Schütze über den Fangzaun hinter dem Arminentor drosch und damit der hiesigen Landwirtschaft zuführte. Eine Absichtserklärung zum Torschuss war wirklich nur mit viel Phantasie zu erkennen, vom Können schweigen wir besser ganz. Halbzeit.

Zweimal antwortet der SVA prompt

Beide Teams schworen sich in der Halbzeitpause ein. Ob in der Kabine des SVA dänische Philosophie diskutiert wurde, wissen wir nicht. Es wäre Henrik Larsen zuzutrauen, den alten Sören Kierkegaard aus der Tasche zu ziehen, der meinte, dass das Leben nur rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden muss. In der Kurzform bedeutet es, dass man hinterher immer schlauer ist als vorher. Nun denn. Schlauer war man beim SVA dann recht schnell, denn kaum versuchte man ein schnelles Umschaltspiel, wurde man umgehend ausgekontert und durch zwei präzise Pässe bloßgestellt. Finn Schönberner war im Duell machtlos und der Ball lag zur Führung im Netz. Das haben wir wirklich nicht gewollt! Schon im alten Griechenland beschäftigte man sich mit dem Unterschied von Wollen und Können. Es war nicht Otto Rehagel, sondern Aristoteles, der den Unterschied von Wollen als rationale Entscheidung und Willen, als auf das Ziel gerichtete Wirkung begriff. So ähnlich wird es sich Moritz Alten auch gedacht haben, als er zwei Minuten nach dem Rückstand bei einer Ecke der Blauen den gegnerischen Mittelstürmer im Ramlinger Strafraum derart seinen Willen aufdrängte, dass dieser den Ball formschön an den zweiten Pfosten und von dort ins Tor köpfte. Ausgleich! Es begann ein Spiel, welches nur über den Willen ging. Vielleicht auch über die Kraft, aber die hatten beide Teams im Tank. Es war intensiv, es war zweikampfhart, es war immer fair. Ein Team träumte den Wunsch vom Oberligaaufstieg, dass andere kämpfte mit Willen um die Serie. Ein guter Ball des erneut starken David Sitzer fand den eingewechselten Abdulmailik Abdul, der aber der Willensschwäche nach Aristoteles anheim fiel und Wollen von Können trennte, indem sich entgegen besseren Wissens, hier ein Torerfolg, der Begierde hingab. Diese Begierde war ein zusätzliches Drbbling und brachte ihn vom Pfad des Torerfolges ab. Defensiv rettete Moritz Alten sehenswert nach 75 Minuten, grätsche Dag Rüdiger großartig nach 80 Minuten und wähnten sich alle Anwensenden in der Sicherheit, den Endstand bereits zu kennen. Dann betrat die Schiedsrichterin Larissa Kühl die Bühne der Fußballphilosophie. Ehrlicherweise kannten weder Aristoteles, noch Schopenhauer oder Kierkegaard einen Schiedsrichter. Die Philosophie bietet hier eine Leerstelle an. Vielleicht käme hier wieder Immanuel Kant ins Spiel und würde seinen kategorischen Imperativ ins Feld führen. Larissa Kühl tat dies jedenfalls, nachdem ihr juveniler Schiedsrichterassistent zunächst eine glasklare Abseitsstellung übersehen hatte, zeigte sie auf den ominösen Punkt. Ein Zweikampf war nicht zu erkennen. Finn Schönberner versuchte seine Fähigkeiten als Elfmeterkiller auszuspielen, war aber machtlos. Der Gastgeber führte kurz vor Ende und war trotz mäßigem Könnens bis hierher in die Nähe seines Wunsches gekommen. Aber da war ja noch der Wille des SVA, der nun alles nach vorne warf und nicht aufsteckte. In Minute 88 war es David Sitzer, der einen tollen Ball erlief und mustergültig abschloss. Knapp vorbei! Die starke Entschlossenheit, das Ziel der Serie zu erhalten, trieb den SVA an und so ließen die Blauen alle Widerstände außer acht. Ein letzter Angriff noch, ein letztes Mal in den Straufraum und da war er dann doch, der kantische Moment von guter Handlung, wenn sie aus Pflicht und Achtung vor dem Gesetz geschieht. Dieses Gesetz besagt unter anderem, dass man nicht dämlich in Zweikämpfe gehen sollte, die im eigenen Strafraum stattfinden. Dieser Gesetzesbruch führte folgerichtig zum Elfmeterpfiff und zu diesem lief Aron Gebreselasie an, verlud den Torwart und schob eiskalt und lässig zum Ausgleich in der Nachspielzeit ein. Was für eine Leistung des Willens, was für ein Spiel! Die Serie hält! 15 Spiele ungeschlagen und wieder richtig stark abgeliefert. Ziel erreicht für heute. Mit Willen und Können.

Sonntag Heimspiel gegen Germania Ochtersum

Weiter gehts am kommenden Sonntag um 15:30 Uhr in Bischofshol gegen Germania Ochtersum. Dem SVA fehlen werden Abdullah Jankir (Kreuzbandriss), Delchad Jankir (Meniskus) und Justin Grete. Hier wird am Freitag ein MRT Aufschluss geben, wie schwerwiegend die Verletzung ist. Dominik Grimpe dürfte wieder genesen sein, sein Stellvertreter Finn Schönberner hat sich allerdings ein Sonderlob verdient und ein starkes Landesligadebüt gegeben. Dass mit den Hildesheimern der Tabellenletzte anreist, sei nur als Randnotiz erwähnt. Dass die Germania ihre Heimspiele am Philosophenweg spielt auch.

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Sonntag, 15.03.2026, 15:30 Uhr:
SV Arminia gegen VfR Germania Ochtersum
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