Punkteteilung in Bavenstedt
Feiertagsstimmung und Fußball passen ja eigentlich immer ganz gut zusammen. Am Tag der deutschen Einheit gastierte der SV Arminia beim SV Bavenstedt. Am Ortsausgang von Hildesheim waren zumindest blühende Landschaften zu erkennen, ansonsten wurden in einem sehr zerfahrenen Spiel deutlich mehr Mauern gebaut als eingerissen. Zunächst musste Coach Yilmaz Dag seine Einheit umbauen, denn neben dem Langzeitverletzten Jannis Pläschke und den noch nicht wieder genesenen Samuel Owusu und Robin Wedemeier fielen kurzfristig der zuletzt richtig starke Yasin Ayaz und auch Spielmacher David Lučić. Dafür rückte Publikumsliebling Hamilton Kuffour und erstmals in dieser Saison Aron Gebreselasie in die Startelf.
Führung und Platzverweis in Halbzeit eins
Von einer Wiedervereinigung wollte man in Bavenstedt nichts wissen und so führte man zu diesem Spiel eine Blocktrennung ein. Dachte man, diese wäre seit nunmehr 36 Jahren überwunden, sah man sich getäuscht. Da sind wohl noch nicht alle Wunden verheilt. Die Blauen starteten im selben Dress wie die DDR 1974 in Hamburg und hatte mit Retwan Defli eine erste nennenswerte Aktion, der seine Sperre abgesessen hatte und ebenfalls von Beginn an mitmischte. In der Folge erkämpfte sich der Gastgeber ein Übergewicht an Eckbällen, die aber allesamt nichts einbrachten. Offensiv versuchte es Dag Rüdiger nach 15 Minuten, der ja zeitweise sein Glück auch in den neuen Ländern versucht (also Berlin), aber sein Schuss wurde geblockt. Mit Blockaden kennt man sich auf diesem Gebiet ja aus. Sehr viel zielsicherer lief es kurz danach ab, als Publikumsliebling Hamilton Kuffour Yannick Bahls auf die Reise schickte, der sich über die Grenze aufmachte und auf Erhan Yilmaz ablegte. Dessen formvollendeter Abschluss vereinte Ball und Tornetz nach 20 Minuten, eine Symbiose auf der richtigen Seite, die immer willkommen ist! Es wurde nun zerfahren, wie eingangs erwähnt. Zwischen West und Ost wollte es nicht so recht passen, es wurde nickelig und gehässig. Leider verlor in alledem Schiedsrichter Wilken Bargemann ähnlich häufig die Orientierung wie Helmut Kohl in den Nachwendejahren, aber von schwarzen Kassen wollen wir hier nicht spekulieren. Viele Unterbrechungen und doch in der 39. Minute die Riesenchance für die Blauen, die Führung auszubauen. Retwan Defli hatte den Ball mustergültig auf Aron Gebreselasie aufgelegt, der frei vorm Tor deutlich daneben schoss. Das hätte das zweite Tor sein müssen! Kurz danach sah Justin Grete den gelben Karton, da er auf seiner Abwehrseite die Demokratie wohl doch etwas zu forsch verteidigte. Das Blöde hieran: Er war bereits verwarnt. So hieß es Platzverweis und der SVA agierte fortan zu zehnt. Hätte Schiedsrichter Wilken Bargemann seine Linie konsequent fortgesetzt, wären auch die Bavenstedter nicht zu elft aus dem Spiel gegangen. Tat er nicht, sei es drum. Bavenstedt erhöhte nun den Druck und Dominik Grimpe klärte noch vor der Pause in höchster Not. Pause.
Verdienter Ausgleich und doch fast der lucky punch
Nachdem Yilmaz Dag in der Halbzeit die Seinen im Stile von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ansprach und den zehn tapferen Arminen mitteilte, dass Reformen immer ein Wagnis seien, aber das Schicksal in die eigene Hände genommen werde müsse, richteten sich die Köpfe wieder auch. Er wird ähnlich wie Steinmeier gesagt haben, dass es mehr Kraft für Solidarität und Zusammenhalt brauche. So kamen die solidarischen Arminen auf den Rasen zurück und sahen zunächst eine höchst unsolidarische Aktion eines Bavenstedters. Im Zweikampf mit Dag Rüdiger abgeprallt, kugelte sich dieser auf dem Rasen und simulierte eine Verletzung. Seine Mitspieler schienen ihn nicht sonderlich zu mögen und spielten weiter. Als die Blauen die Kugel erkämpften, spielten sie den Ball ebenfalls nicht ins Aus und läuteten einen Konter aus. Nach zweiminütigem Schmerzkrampf sah der Bavenstedter das Unheil kommen, sprang auf und sprintete das ganze Halbfeld zurück, um zur Ecke zu klären! Der Preis für die goldene Himbeere geht defintiv an diese Adresse. Der Spieler war fortan beim Gästeanhang so beliebt wie Detlev Rohwedder in den Nachwendejahren in den neuen Bundesländern. Aber die Blaue Armee Fraktion blieb friedlich und stimmte eine längst vergessene Nationalhymne mit abgewandeltem Text an. Irgendwo wird sich Hans Modrow an die Brust gefasst haben. Zunächst hatte der SVA in Retwan Defli nach einem Eckball aus oben genannter Aktion noch eine Torchance, dann wurde es wild. Die Gastgeber schafften es fertig, in drei Versuchen aus kürzester Distanz den Ball nicht an Dominik Grimpe vorbeizubringen. Nach knapp 60 Minuten rettete er erneut großartig nach einem unpräzisen Pass von Emin Sassi. Die große Chance nach 68 Minuten bot sich erneut Aron Gebreselasie, der nach Vorlage von Dag Rüdiger erneut aus kürzester Distanz vergab. Der hätte drin sein müssen! Das Spiel wurde nun vollends verfahren, es kam kein Spielfluss zustande und Pfiff um Pfiff unterbrach das Spiel. Immerhin war es nicht einseitig. Nach 72 Minuten schlug es dann doch im Kasten von Dominik Grimpe ein, der vorgetragene Bavenstedter Angriff konnte nicht gestört werden und aufgrund der Offensivbemühungen der Gastgeber geht der Ausgleich auch in Ordnung. Während Frank-Walter Steinmeier die Wiedervereinigung wie ein Himmelsgeschenk beschreibt, so beschreibt der Armine das Ausgleichstor als Konsequenz eines Platzverweises und des Auslassens zweier Großchancen. Zweimal noch sollte Dominik Grimpe die Seinen in höchster Not retten und dann lag sie dar, die große Chance in der vierten Minute der Nachspielzeit. Ein Steckpass auf den eingewechselten Björn Masur, der sich um den Gegner drehte und alleine vor dem Tor dem Torhüter gegenstand, aber den Ball nicht traf. Das wäre es gewesen! Abpfiff in Bavenstedt. Ein einheitliches Unentschieden, welches wohl so in Ordnung geht. Viele Menschen in West und Ost seien heute enttäuscht, so hörte man. Die mitgereisten Arminen wussten nicht so recht etwas mit ihrer Gefühlslage anzufangen. Irgendwie zu wenig, aber irgendwie auch einen Punkt in Unterzahl erkämpft. Während Frank-Walter Steinmeier nach 36 Jahren die Rückkehr der Streitkultur wünscht, wünschen wir uns die Rückkehr einiger verletzter Spieler. Und vielleicht mal wieder einen Sieg, denn aus den letzten fünf Spielen sprang nur ein solcher heraus. Das ist zu wenig, aber wir wollen nicht jammern. Gejammert wurde seit der Wiedervereinigung genug. Jetzt wird gehandelt. Zuletzt sei erwähnt, dass der Autor nicht einmal über einen Vergleich zwischen der DDR und dem NFV nachgedacht hat. Wirklich nicht.
Heute ausreichend Fußball mit blauer Beteiligung
Wer mehr blauen Fußball sehen will, dem seien heute die Spiele der Zweiten Frauen gegen Schwüblingsen/Hänigsen ab 11:00 Uhr und der Ersten Damen gegen die SG von 74 um 13:30 Uhr empfohlen. Die Zwote gewann unter der Woche ihr Pokalspiel gegen die Zwote von Lehrte 06, gegen dessen Erste man auch schon verlieren kann und tritt in der nächsten Runde bei der Zwoten des HSC an. Heute haben die Jungs verdientermaßen spielfrei.